Der EU-weite Artificial Intelligence Act (AI Act) betrifft nicht nur den Gesundheits- und Technikbereich, sondern auch Beratungspraxen. Wenn Sie in Ihrer Beratung moderne Technologien wie KI-gestützte Systeme verwenden, müssen Sie bestimmte Vorgaben einhalten. Das Gesetz zielt darauf ab, die Sicherheit, Transparenz und Verlässlichkeit von KI-Anwendungen zu gewährleisten und gleichzeitig die Rechte Ihrer Klienten zu schützen.
In diesem Artikel erfahren Sie, wie der AI Act Ihre Beratungspraxis beeinflusst und welche Maßnahmen Sie treffen müssen.
Welche KI-Anwendungen sind relevant für die Beratung?
In der Beratungspraxis können KI-Systeme auf verschiedene Weise unterstützend wirken. Diese Technologien erleichtern die Anamnese, die Erstellung individueller Pläne und die Dokumentation von Beratungsgesprächen.
Beispiele für KI-Systeme in der Beratung:
- Anamnesesysteme:
KI unterstützt Klienten bei der Selbstauskunft durch gezielte Fragen zu Beschwerden, Zielen und Bedürfnissen. - Therapie- oder Coachingplaner:
Systeme erstellen maßgeschneiderte Pläne auf Basis der Daten und Ziele des Klienten. - Sprach- und Stimmungsanalyse:
KI wertet Tonfall und Sprache der Klienten aus, um emotionale Zustände zu erkennen. - Feedbacksysteme:
KI analysiert anonymisierte Rückmeldungen von Klienten, um die Qualität der Beratung zu verbessern. - Termin- und Ressourcenmanagement:
Systeme optimieren Zeitpläne und Ressourcenverwaltung. - Chatbots:
Automatisierte Systeme beantworten häufig gestellte Fragen (z. B. zu Abläufen, Angeboten oder Terminen). - Fortschritts-Tracking:
KI verfolgt die Entwicklung und Fortschritte des Klienten über mehrere Sitzungen hinweg. - Mustererkennung:
Systeme erkennen, ob bestimmte Klientengruppen ähnliche Anliegen oder Themen aufweisen. - Selbstreflexionstools:
Klienten erhalten KI-gestützte Übungen zur Selbstreflexion zwischen den Sitzungen. - Dokumentationshilfe:
KI erstellt automatisch Protokolle und Zusammenfassungen der Beratungsgespräche.
Welche Pflichten entstehen durch den Einsatz von KI in der Beratung?
Wenn Sie KI-Systeme in Ihrer Praxis verwenden, müssen Sie sicherstellen, dass diese den Anforderungen des AI Acts entsprechen. Die wichtigsten Pflichten betreffen die Bereiche Transparenz, Sicherheit und Datenschutz.
Ihre Pflichten im Überblick:
Transparenz:
Klienten müssen darüber informiert werden, dass eine KI zum Einsatz kommt. Sie sollten verstehen, welche Rolle die KI im Beratungsprozess spielt und wie ihre Daten verarbeitet werden.
Einwilligung:
Die Nutzung von KI erfordert eine informierte Einwilligung der Klienten. Diese muss freiwillig, eindeutig und dokumentiert erfolgen.
Sicherheitsmaßnahmen:
Die Systeme müssen technisch und organisatorisch geschützt sein, um unbefugten Zugriff und Datenmissbrauch zu verhindern.
Risikobewertung:
Sie müssen die Risiken der eingesetzten KI-Systeme bewerten und Maßnahmen zur Risikominderung ergreifen.
Dokumentation:
Führen Sie eine lückenlose Dokumentation über die Nutzung der KI-Systeme, einschließlich technischer Prüfungen und Sicherheitsmaßnahmen.
Welche Rechte haben Ihre Klienten?
Klienten, deren Daten durch KI-Systeme verarbeitet werden, haben nach dem AI Act und der DSGVO bestimmte Rechte, die Sie respektieren müssen.
Wichtige Rechte Ihrer Klienten:
Recht auf Auskunft:
Klienten dürfen erfahren, welche Daten über sie verarbeitet werden und wie die KI-Systeme funktionieren.
Recht auf Berichtigung:
Klienten können die Korrektur falscher oder unvollständiger Daten verlangen.
Recht auf Löschung:
Klienten können die Löschung ihrer Daten verlangen, sofern keine gesetzlichen Aufbewahrungspflichten dagegen sprechen.
Recht auf Widerspruch:
Klienten können der Verarbeitung ihrer Daten durch KI widersprechen.
Recht auf Datenübertragbarkeit:
Klienten können verlangen, dass ihre Daten in einem strukturierten, gängigen Format bereitgestellt werden.
Welche Risiken bestehen beim Einsatz von KI in der Beratung?
Der Einsatz von KI-Systemen bringt neben vielen Vorteilen auch spezifische Risiken mit sich, die Sie als Berater kennen und minimieren sollten.
Typische Risiken:
Fehlende Nachvollziehbarkeit:
Manche KI-Systeme basieren auf komplexen Algorithmen, deren Entscheidungen für Klienten schwer verständlich sind. Dies kann das Vertrauen beeinträchtigen.
Fehlentscheidungen:
Falsche oder unzureichende Daten können zu fehlerhaften Empfehlungen oder Analysen führen.
Datensicherheitsprobleme:
KI-Systeme, die personenbezogene Daten verarbeiten, können Ziel von Cyberangriffen sein.
Diskriminierungsrisiken:
Unzureichend trainierte Systeme könnten aufgrund fehlerhafter Daten oder Verzerrungen diskriminierende Ergebnisse liefern.
Überwachung und Kontrolle:
Es besteht die Gefahr, dass Klienten sich durch ständige KI-Analysen überwacht fühlen, was das Vertrauen in den Beratungsprozess beeinträchtigen kann.
Vorteile des KI-Einsatzes in der Beratung
Trotz der genannten Risiken bietet KI auch zahlreiche Chancen und Potenziale für die Beratungspraxis.
Vorteile:
Effizienzsteigerung:
KI-Systeme automatisieren administrative Aufgaben wie Terminplanung und Dokumentation, sodass Sie mehr Zeit für die eigentliche Beratung haben.
Personalisierung:
KI ermöglicht es, individuelle Beratungskonzepte zu entwickeln, die genau auf die Bedürfnisse der Klienten zugeschnitten sind.
Kontinuierliche Unterstützung:
Selbst zwischen den Sitzungen können Klienten durch KI-gestützte Tools begleitet und unterstützt werden.
Bessere Analyse:
Durch die Analyse großer Datenmengen können KI-Systeme Muster und Zusammenhänge erkennen, die Ihnen helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen
Zeitersparnis:
Automatisierte Systeme helfen dabei, Routineaufgaben schneller und präziser zu erledigen.
Praktische Maßnahmen zur Einhaltung des AI Acts
Damit Sie die Anforderungen des AI Acts einhalten, sollten Sie frühzeitig Maßnahmen in Ihrer Beratungspraxis umsetzen.
Empfohlene Maßnahmen:
Systemauswahl:
Nutzen Sie nur KI-Systeme, die bereits zertifiziert und sicherheitsgeprüft sind.
Schulungen:
Schulen Sie sich und Ihr Team im Umgang mit KI-Systemen und den gesetzlichen Anforderungen.
Transparente Kommunikation:
Erklären Sie Ihren Klienten, wie die KI-Systeme funktionieren und welche Daten verarbeitet werden.
Datenschutzmaßnahmen:
Implementieren Sie technische Maßnahmen wie Verschlüsselung und Zugriffskontrollen.
Regelmäßige Überprüfungen:
Lassen Sie die Systeme regelmäßig technisch prüfen und aktualisieren Sie Sicherheitsmaßnahmen.
Der AI Act hat erhebliche Auswirkungen auf die Beratungspraxis, insbesondere wenn Sie KI-Systeme einsetzen. Um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen, müssen Sie Transparenz schaffen, Daten sicher verarbeiten und die Rechte Ihrer Klienten respektieren. Durch eine vorausschauende Planung und den richtigen Einsatz von KI können Sie jedoch auch die Effizienz und Qualität Ihrer Beratungsleistungen deutlich steigern.